Valentin-Fieguth (Mezzosopran) & Grishutina (Klavier)

Crime Scenes

Das Album „Crime Scenes“ der Mezzosopranistin Esther Valentin-Fieguth und der Pianistin Anastasia Grishutina scheint ein Modethema zu bedienen – doch natürlich hat es Gewalt und Verbrechen immer gegeben. Auch Gedichte, Erzählungen und Lieder darüber. Ergreifend, hochdramatisch, mitunter humorvoll dringt das bestens auf einander eingespielte Duo auf seiner zweiten CD tief in die Abgründe menschlicher Leidenschaft ein. Dazwischen erzählen Valentin-Fieguth und Grishutina von Momenten des Glücks und gesteigerter Sensibilität für das Bedrohtsein der Existenz.

In berühmten Standards, aber auch in weniger bekannten Liedern von Komponist:innen aus diesem und dem 19. und 20. Jahrhundert singen sie von Missbrauch und Vergewaltigung, von Gotteslästerung, Mord aus Triebhaftigkeit oder Liebe, von Verbrechen an Tieren, vom Krieg als Verbrechen, vom Holocaust. Auch „süße Verbrechen“ kommen zum Ausdruck sowie, im „Mondlicht eines Mädchens“ (Gees, Werfel), das bekenntnishaft in der Mitte des Programms steht, die Not einer sensiblen Teenagerin, die an den Schrecken der Welt und ihrer Ohnmacht zugrunde zu gehen droht. „Wir erzählen Geschichten von Verbrechen in unserer Kunstform, in Liedern, die größtenteils nicht aus dem 21. Jahrhundert sind“, bemerken die Interpretinnen im informativen und sehr persönlich gehaltenen Booklettext. „Sie sind trotzdem hochaktuell, z. B. passiert das, was in der Ballade vom Heideknaben geschieht, leider auch heute vor unseren Augen, aber ohne dass wir es immer sehen. Deswegen ist es wichtig, solche Geschichten immer und immer wieder zu erzählen. Natürlich bereiten sie auch ästhetischen Genuss. Aber sie machen uns gerade dadurch aufmerksam, geben uns zu denken. Und die Musik macht die Geschichte oder die Szene, die erzählt wird, noch spannender, ergreifender. Auch wenn sie alt ist, vielleicht gerade sogar deshalb.“

Im Kontext von „Crime Scenes“, vor allem der Lieder von Eggert, van Dijk, Mussorgski oder Weber, wirken die „alten Geschichten“ des gängigen Repertoires, von Schubert oder Schumann etwa, wie neu: „Wir hoffen, dass man in unserer Aufnahme hört, dass wir uns immer wieder gefragt haben: Aus welchem Grund wird vergewaltigt, getötet, gemordet?“

Ebenfalls bei GWK Records erschienen ist das Debut-Album von Valentin-Fieguth und Grishutina „Amors Spiel“.

Alle Texte in englischer Übersetzung finden Sie hier.
Here you can find the English lyrics.

Hier finden Sie alle Deutschen Liedtexte.

Hier finden Sie das englische Booklet.
Here you can find the English booklet.

Interpretinnen

Esther Valentin-Fieguth (Mezzosopran)
www.esthervalentin.com

Anastasia Grishutina (Klavier)
www.anastasiagrishutina.com

 

Inhalt

Franz Schubert (1797–1828) Heidenröslein

Moritz Eggert (*1965) Stille Oeynfassung

Robert Schumann (1810–1856) Muttertraum, Ballade vom Heideknaben

Franz Schubert Die Forelle

Robert Schumann Herzeleid

Samuel Barber (1910–1981) The Crucifixion

Robert Schumann Belsatzar

Michael Gees (*1953) Mondlied eines Mädchens

Franz Schubert Der Zwerg

Hans Pfitzner (1869–1949) Müde

Georgi W. Swiridow (1915–1998) Findlay

Edvard Grieg (1843–1907) Die verschwiegene Nachtigall

Robert Schumann Löwenbraut

Brechtje Nelleke van Dijk (*1993) Endangered

Robert Schumann Der Soldat

Viktor Ullmann (1898–1944) Der müde Soldat

Modest P. Mussorgski (1839–1881) Der Feldherr

Ilse Weber (1903–1944) Ich wandre durch Theresienstadt

Spielzeit: 83:19
GWK 155 / 2022

Erscheinungstermin
26.01.2022

Pressestimmen

„Vor gut zwei Jahren kamen die deutsche Mezzosopranistin Esther Valentin und die russische Pianistin Anastasia Grishutina […] beim Label gwk records mit ihrem erstaunlichen Debüt-Album ‚Amors Spiel‘ heraus […]. Mit ihrem jetzt erschienenen zweiten Album ‚Crime Scenes‘ haben sie das große Versprechen eingelöst. […] Valentin und Grishutina finden für jedes der stimmungsmäßig so unterschiedlichen 19 Lieder und Balladen den richtigen und dabei ganz eigenen Tonfall. Bei der Sängerin verbinden sich Schönheit der Stimme, Geschmeidigkeit und Ebenmäßigkeit des Tons und Klugheit des Vortrags in idealer Weise. Man könnte ihr stundenlang zuhören. Sie klingt immer entspannt, hat viel Sinn für die leisen Töne, zeigt besonders in den Balladen auch dramatische Expansionsmöglichkeiten. Bei ihrer Zusammenarbeit mit Grishutina, einer suggestiven Erzählerin am Klavier, die über Subtilität wie über die gelegentlich notwendige ‚Pranke‘ verfügt, möchte man von einer russisch-deutschen Wahlverwandtschaft sprechen, die im mitreißenden Vortrag von Mussorgskys – im allgemeinen Männerstimmen vorbehaltenen – ‚Der Feldherr‘ (aus: ‚Lieder und Tänze des Todes‘) ihren Höhepunkt findet.“ klassik-heute.com