Chapeau Classique

Maximilian Kromer
04.10.2026

Seufzer und Jauchzen, Eleganz und Melancholie, Virtuosität und Einfachheit, Ambivalenz, Monumentalität: Kongenial stellt Max Kromer aus Wien, Gewinner des Internationalen Schubert Wettbewerbs Dortmund 2025, Schubert, „den Wanderer“, und Liszt, dessen Verehrer und Verwandler, ins Zentrum seines Programms.

Zu seinem 200. Todestag 2027 erweist er zudem Beethoven die Reverenz. Seine heitere Es-Dur-Sonate erscheint hier, im Kontext des „Wanderer“-Programms, wie ein Vorschein des „hoffnungsgrünen Landes“ aus Schuberts Lied „Der Wanderer“. Hat Beethoven mit ihr 1802 – im Jahr des „Heiligenstädter Testaments“, eines Briefes, in dem der 32-Jährige seine Verzweiflung über seine fortschreitende Taubheit und seine Suizidgedanken, zugleich aber seine Entschlossenheit, für die Kunst weiterzuleben, offenbart – seiner Depression getrotzt?

„O Land, wo bist du? …“ und „Ich bin ein Fremdling überall“: Schuberts monumentaler Wanderer-Fantasie mit dem kraftstrotzend-optimistischen Beginn in C-Dur, der am Ende in romantischer Ironie rekapituliert wird, liegt sein Lied „Der Wanderer“ zugrunde. Ausdruck des Zeitgeists im Metternichschen Überwachungsstaat, der Sehnsucht nach Beheimatung in der Heimat, ist das Lied zugleich Darstellung existenzieller Fremdheit. Der „Wanderer“ sehnt sich nach metaphysischem Obdach, einer Natur, die verständlich zu ihm spricht, und menschlichem Verstanden-Werden, auch als Künstler, nach dem Glück. Dabei gibt er seiner Melancholie Ausdruck, die aus dem Wissen kommt, dass das Land, „das meine Sprache spricht“, „wo meine Rosen blühn“, so utopisch ist wie die Auferstehung der Toten. Wie sein Lied, bleibt Schuberts C-Dur-Fantasie aktuell: „Dort, wo du nicht bist, ist das Glück.“

Mit der Wanderer-Fantasie komponierte Schubert sein Lied in „seiner Sprache“ orchestral aus. Liszt transformiert seine Lieder in brillante Konzertstücke in seiner eigenen Sprache, weil er Schubert zutiefst bewunderte. Dessen Liedkunst wollte er auf seine Weise zum Blühen bringen und den Zeitgenossen vermitteln. Auch Liszts „Soirées de Vienne“ sind eine Liebeserklärung an Schubert, inspiriert durch dessen „Valses nobles“, die Max Kromer gekonnt in sein Programm einstreut: äußerlich schlichte und tänzerische, von edler Schwermut grundierte Charakterminiaturen.

Musiker

Maximilian Kromer Klavier

Programm: Wanderer

Franz Schubert (1797–1828): Valses Nobles D. 969, 1-3
Franz Schubert/Franz Liszt (1811–1886): Sei mir gegrüßt, Gretchen am Spinnrade, Ständchen (Liedbearbeitungen)
Franz Schubert: Valses Nobles D. 969, 4-6
Ludwig van Beethoven (1770–1827): Klaviersonate in Es-Dur, op. 31/3
Franz Schubert: Valses Nobles D. 969, 7-9
Franz Liszt: Soirées de Vienne 4,6,9
Franz Schubert: Valses Nobles D. 969, 10-12
Franz Schubert: Wanderer-Fantasie in C-Dur, op. 15, D. 760

Zeit und Ort

Sonntag, 04.10.2026, 18:00 Uhr
Erbdrostenhof | Salzstraße 38 | 48143 Münster

Karten

Einzelkarte 29 € (zzgl. Gebühren) | Die Sitzplätze sind nummeriert.
Ermäßigt 25 € (zzgl. Gebühren) für GWK-Mitglieder, Schwerbehinderte (50%) mit Ausweis
Schüler:innen, Studierende mit Ausweis 10 €

Abo 6 Konzerte 150 € (zzgl.Gebühren)| erm. 125 €  (zzgl.Gebühren)

Karten online
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48143 Münster

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Kartentelefon
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