Chapeau Classique 17.05.2020

Kiyohiko Kudo (Marimba): Memory, Carmen Steinmeier (Harfe): Imaginationen
17.05.2020

Kiyohiko Kudo, GWK-Förderpreisträger 2016, liebt den samtig-sonoren Klang der Marimba, eines noch sehr jungen Instruments. Mit seinen vier Schlägeln singt er – auf dem eigentlich perkussiven Instrument. So zaubert er wie mit Legato gespielte Melodien, lange dynamische Bögen, farbenreiche Cluster. Differenziert spielt er die Mehrstimmigkeit in den Bach-Chorälen oder die feierlich-erhabene Melodie über vollen Arpeggio-Harmonien in Barrios „Kathedrale“ heraus; den spanisch eingefärbten, hochvirtuosen Gesang der Violine Ysaÿes und Piazzollas/Sammuts „Libertango“ übersetzt er in so delikate wie expressive Schläge. Sensibilität, Kontemplation und Finesse verlangt Naitos „Erinnerung an die Wälder“. Sanftes Schwellen, Echos und Seufzer in den Wirbeln der Schlägel: der Wind streicht durch die Blätter des Waldes, der für die japanische Komponistin Zeitlosigkeit symbolisiert.

Carmen Steinmeier, GWK-Preisträgerin 2017, liebt den suggestiven Klang der Konzertharfe, ihre reiche Farbigkeit. Voll spielt sie den vielseitigen Charakter der Harfe aus, kommt sie den romantischen Erwartungen an ihr Instrument nach – und bricht doch das Klischee virtuos mit ihrem Programm, das die Seele, ganz unkitschig, streichelt und das Kopfkino mit intensiven Bildern illuminiert. In Smetanas „Moldau“ hört-sieht man die Quellen des Flusses perlen, sein Fließen und Anschwellen, Stromschnellen im majestätischen Glissando, die Uferlandschaften, wie die Moldau in die Elbe mündet. Eine Schlossherrin bei Fauré. Er überschrieb seine Miniatur mit einem Vers Paul Verlaines aus einem Gedicht, das seine Geliebte zur Heiligen und Schlossherrin (châtelaine) verklärt, die anmutig durch ihre Gemächer wandelt. Intim und fein Brittens Suite, die harfenistische Gemeinplätze vermeidet und der Harfe ein ursprüngliches, keltisches Pathos zurückgibt, etwas priesterlich Erhabenes in der Walisischen Melodie der Hymne am Schluss.

 

Programm Kiyohiko Kudo: Memory

Johann Seb. Bach (1685–1750): Wachet auf, ruft uns die Stimme, BWV 645 | Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ, BWV 639 | Jesus bleibet meine Freude, BWV 147

Agustín Barrios (1885–1944): „La Catedral“

Akemi Naito (*1956): Memory of the Woods

Eugène Ysaÿe (1858–1931): Sonata Nr. 6

Eric Sammut/Astor Piazzolla (*1968): Libertango – Variations on Marimba (1997)

Programm Carmen Steinmeier: Imaginationen

Gabriel Fauré (1845–1924): Une châtelaine en sa tour, op.110

Benjamin Britten (1913–1976): Suite for Harp op. 83

Bedřich Smetana (1824–1884): Die Moldau (arr. Hanuš Trneček)

Zeit und Ort

18:00 Uhr, Erbdrostenhof
Salzstraße 38, 48143 Münster

Karten

Einzelkarte 24 €, erm. 18 €
Ermäßigung: für GWK-Mitglieder, Schüler*innen, Studierende, Schwerbehinderte (50%), Arbeitsuchende, Sozialdienstleistende, Münster-Pass-Inhaber*innen (Ausweis)

Eventuelle Restkarten für Studierende und Schüler*innen zu 5 € (Ausweis), jeweils 10 Minuten vor Konzertbeginn an der Abendkasse.


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